Mallorca – der Traum fürs Alter?

Sie waren 40 oder 45 Jahre alt, als sie sich entschlossen dem kalten Klima in Deutschland für immer lebe wohl zu sagen. Sie wollten ihren Lebensweg auf der wunderschönen Insel Mallorca weitergehen, und das bis zum Ende. Also machten sie sich auf, und verließen Deutschland. Berufliche Bindungen wurden aufgelöst, die privaten lösten sich mit der Zeit auch oftmals von alleine. Also so richtig noch einmal ein Neuanfang.
Einige haben es geschafft, und in einem neuen Beruf und einem fremden Umfeld noch einmal zu beginnen. Sie haben die spanische beziehungsweise die mallorquinische Sprache erlernt, und Sie haben wohl weislich auch noch etwas zur Altersvorsorge zurückgelegt, in irgendeiner Form, meist als private Versicherung. Nun sind sie in einem Alter und können von ihrer Vorsorge und der wenigen Rente aus Deutschland gut leben.

Andere mussten mit der Zeit einsehen, dass sich ihre Wünsche und Träume nicht erfüllt haben. Sie waren wohl etwas blauäugig an die ganze Sache herangegangen, ohne sich Gedanken zu machen, wie die finanzielle Seite aussehen wird, wenn das Ersparte das sie vielleicht aus einem Immobilienverkauf in Deutschland hatten aufgebraucht ist. Wenn sie vor ihrer Auswanderung auf die Insel in Deutschland gearbeitet haben, und dementsprechend auch in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt haben, steht ihnen jetzt auch Rente zu. Natürlich wird diese Rente auch auf ein Konto in Mallorca überwiesen. Die Krux ist nur, diese Rente ist relativ gering, und auch in Mallorca ist mit der Zeit alles teurer geworden, die Miete genauso wie die Lebenshaltungskosten. Manchmal können diese Menschen noch zurück nach Deutschland und bei Verwandten oder Freunden unterkommen, aber eben nicht alle. Und die, die bleiben, bestreiten dann oftmals mehr schlecht wie recht den Alltag. In Mallorca leben etwa 15000 Rentner, erschreckend ist die Zahl derer die am Existenzminimum leben, es sind geschätzte 15 %. Und genau an diesem Punkt beginnt so manche Leidensgeschichte. Solange es noch möglich ist, sich mit kleineren Hilfsarbeiten ein paar Euro dazuzuverdienen, ist noch alles in Ordnung. Geht das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, sind die Möglichkeiten an eine finanzielle Unterstützung durch den spanischen Staat zu kommen sehr gering.

Mallorca – das war einmal ein Traum

Aber wie so oft, Träume gehen nicht immer in Erfüllung, das was übrig bleibt, ist die kalte, nüchterne Wahrheit. Doch damit nicht genug. Zu den oftmals sehr engen finanziellen Verhältnissen kommt eine enorme Isolation dazu. Viele der nach Mallorca übersiedelten Rentner haben sich ausschließlich in einem Umfeld mit vorwiegend Deutschen niedergelassen. Sie erlernten auch die Sprache des Gastlandes nicht. Jetzt wo so ganz allmählich die Freunde und vor allem auch die Partner wegsterben wird es sehr einsam um sie.
Die auf Mallorca lebenden Engländer tun sich in diesem Punkt etwas leichter. Sie haben schon sehr früh damit begonnen, ihre Clubs aufzubauen und zu pflegen. Da sind dann auch immer Ansprechpartner vorhanden. Sie haben ihre Vereine und in den allermeisten Fällen beherrschen sie auch die Landessprache. Es ist nie zu spät, das haben wohl jetzt auch die Deutschen erkannt und sind bemüht kleine Vereine entstehen zu lassen.

Und wenn nichts mehr geht

Hilfe von den staatlichen spanischen Behörden zu erhalten ist äußerst schwierig. Wie in ganz Spanien so ist auch auf Mallorca immer noch üblich, dass die alten Menschen in der Familie integriert sind und bei Bedarf eben auch gepflegt werden. Heime in der Art wie es sie in Deutschland gibt, sind auf Mallorca sehr rar und außerdem sehr teuer. Die Bedürftigen müssen über einen bestimmten Ausweis, eine Residencia, verfügen um überhaupt Anspruch auf Hilfe durch den spanischen Staat zu haben. Wer also nicht in irgendeiner Form privat vorgesorgt hat, für den sieht es schlecht aus. Eine private Zusatzversicherung zur gesetzlichen Krankenkasse könnte insofern Abhilfe schaffen, denn sie ermöglicht nicht nur die freie Arztwahl, sondern auch dass der Erkrankte die sehr langen Wartezeiten und den relativ schlechten Service in einem Krankenhaus umgehen kann. Die spanische Sozialversicherung, die auch nur dann zuständig ist, wenn man nachweislich mindestens die letzten fünf Jahre in Spanien gelebt hat, reicht bei weitem nicht aus um eine adäquate Pflege im Alter zu gewährleisten. Zudem werden ambulante Dienste im Bereich der Krankenpflege vom spanischen Staat nicht anerkannt, infolge dessen erhalten die Pflegebedürftigen auch kein Geld.

Seit 1998 gibt es eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, dass für im Ausland lebende Deutsche einen Anspruch auf Pflegegeld besteht. Das betrifft auch die Rentner die mindestens 180 Tage im Jahr auf Mallorca leben. Sie bekommen das ihnen in Deutschland zustehende Pflegegeld. Für weitergehende Aufwendungen wie zum Beispiel ein Zuschuss zur ambulanten Pflege hingegen sind keine Zahlungen vorgesehen. Manchmal ist es wenigstens ein Tropfen auf den heißen Stein, aber leider hilft es nur wenigen Rentner aus ihrer miserablen finanziellen Lage.

Mittlerweile interessiert sich auch in die mallorquinische Wirtschaft für dieses Problem, Altenheime sind die neue Einnahmequelle. Aber bis davon ausreichend zur Verfügung stehen und die dann auch noch bezahlbar sind, wird noch eine Zeit vergehen. Es gibt zwar auch jetzt schon Altenheime, zum Teil unter privater oder staatlicher Leitung. Auch vom Staat subventionierte Heime sind vorhanden, diese Seniorenresidenzen entsprechen auch dem Standard in Europa. Einmal abgesehen von den kleinen Heimen, bei denen oft noch nicht einmal eine Genehmigung zur Betreibung vorliegt, gibt es in den staatlichen Heimen gut ausgebildetes Fachpersonal. Wer über eine ausreichende Rente verfügt kann auch in einer der Seniorenresidenzen seinen Lebensabend verbringen. die monatliche Miete kann hier schon einmal 1200 Euro betragen, das ist immer noch günstiger als in Deutschland. Nebenkosten und im Bedarfsfall auch die Pflegekosten sind nicht immer inklusive. Bei ganz luxuriösen Seniorenresidenzen muss teilweise um überhaupt aufgenommen zu werden eine Kaution von mindestens 25.000 Euro zu hinterlegt werden. Das können sich wirklich nur reiche Rentner und Senioren leisten.

Andererseits ist es gar nicht so schwierig ein Heim zu finden, es werden mittlerweile sogar schon wieder Heime geschlossen, weil es nicht genügend Bewohner gibt. Viele der Rentner die es sich nicht leisten können oder auch in Ermangelung ausreichender Sprachkenntnisse nicht wollen in einem spanischen Heim zu leben, entschließen sich, wieder zurück nach Deutschland zu gehen. Hier sind die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung eben doch noch besser als in Spanien.
Für alle anderen bleibt der Weg steinig, sie sind auf die Hilfe der Nachbarschaft und dem guten Willen der Behörden angewiesen. Da ist der Traum vom schönen Mallorca ganz schnell ausgeträumt.

Bildquelle Flagge: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de

Bildquelle Hut: Julien Christ  / pixelio.de

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1 Kommentar

  1. Cornelia 4. Januar 2013 at 02:32 Reply

    Hallo,

    über das spanische Festland und Mallorca habe ich auch sehr intensiv nachgedacht und mir mehrmals die Örtlichkeiten angesehen.
    Gleichzeitig habe ich mir Portugal (Algarve) angesehen und bin schließlich vor 2 1/2 Jahren im Osten des Algarve (nahe der spanischen Grenze) gelandet.
    Neben dem traumhaften Wetter sehe ich es als Vorteil an, dass man mehr von seiner Rente hat, weil alles, aber auch wirklich fast alles, sehr viel preiswerter ist als in Deutschland und selbst eine eventuell später erforderlich werdende Pflege gewährleistet ist.

    Viele Grüße
    und alles Gute
    Cornelia

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