Demenz-Serie: De Hogeweyk – ein ganz normales Leben

Für die rund 150 Senioren, die in der Pflegesiedlung De Hogewey leben, scheint die Zeit eingefroren zu sein: Denn die Umgebung wurde für die Demenz-Patienten so gestaltet, dass sie aus einer Zeit stammt, in der sie sich noch erinnern konnten. Technische Neuerungen wie Flachbildfernseher sind tabu. Der Hintergrund: Man will den Senioren die Möglichkeit bieten, so normal wie möglich weiterzuleben.

Dieser Ansatz ist jedoch nicht unumstritten: Während in der Schweiz ein Pflegedorf nach niederländischem Vorbild entstehen soll, zweifelt die deutsche Alzheimergesellschaft an diesem Ansatz. Besser sei es für die Demenz-Patienten, wenn sie in ihrem gewohnten Umfeld in der Nähe ihrer Familie leben könnten, lautet der Standpunkt in Deutschland.

Das Dorf

Die Pflegesiedlung „De Hogewey“ liegt in der Kleinstadt Weesp, etwa 15 Kilometer östlich von Amsterdam. Die rund 150 Senioren leben in Wohngemeinschaften von sechs Personen. Jede dieser WG’s wird rund um die Uhr von einem bis zwei Pflegern betreut. Den Großteil der Haushaltsführung übernimmt das Personal, kleinere Aufgaben die Bewohner.

Ansonsten können die Senioren ein ganz normales Leben führen, selbst im Supermarkt des Dorfes einkaufen, einen Friseur besuchen oder das Restaurant besuchen. Tanzveranstaltungen und Theater runden das Unterhaltungsangebot ab. Das persönliche Umfeld ist voll und ganz im Retro-Look gehalten, damit sich die Senioren heimisch und geborgen fühlen. Eine Sprecherin des Betreibers beschreibt den Zustand der Patienten als geistige Reise in die Vergangenheit.

Das Alzheimer-Dorf existiert seit 2009 und dürfte europaweit der erste entsprechende Modellversuch sein. Der Pflegedienstleister hat bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Im Vergleich zu anderen Heimen seien die Bewohner sehr viel ruhiger und weniger aggressiv. Deshalb werden auch weniger Schlafmittel und Psychopharmaka benötigt.

Ein Vorbild?

Dahlia, ein schweizer Betreiber von Altenheimen, ist vom holländischen Vorbild begeistert. Deshalb ist auch in der Schweiz eine entsprechende Einrichtung geplant, sie soll in Wiedlisbach errichtet werden. In Deutschland ist die Alzheimergesellschaft dagegen eher skeptisch. Hier setzt man lieber auf familiennahe Integration und sieht ein Problem darin, die Alzheimer-Patienten in abgeschottete Bereiche abzuschieben.

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