Alte Armbanduhren nicht nur für alte Leute

Wem kommt das nicht bekannt vor. Man ist beim Opa auf Besuch und bewundert die Armbanduhr des Großvaters. Mit ging es schon als kleines Kind so. Damals habe ich es noch nicht so ganz verstanden, warum der Sekundenzeiger sich nicht in Sekundenschritten vorwärts bewegte, sondern eine fast flüssige Bewegung mit ganz winzigen schnellen Schritten durchführte. Warum die Uhr meines Opas so laut tickte, während andere Uhren fast lautlos waren und vor allem, warum die Armbanduhr meines Großvaters keine Batterie benötigte. Man musste Sie dafür aber aufziehen. Fast jedes Mal habe ich dieses Stück an seiner Hand bewundert und bestaunt, den matten Glanz, des Stahlgehäuses, das leichte Glitzern des silbernen Ziffernblatts, das getragene Lederband, das aber mit der Zeit immer schöner zu werden schien.

Heute bin ich (vielleicht genau deswegen) den mechanischen Uhren verfallen. Eine Quarzuhr im Plastikgehäuse zeigt die Zeit vermutlich viel genauer an, ist wasserdicht, kratzfest und kostet kaum etwas. Dennoch kann ich diesem schnöden Tand nichts abgewinnen, man möge mir verzeihen. Ich sehne mich nach den Uhren mit Zahnrädern im Innern, welche durch eine Feder angetrieben werden und die man regelmäßig aufziehen muss. Ob die Uhr dabei auf die Sekunde genau geht, ist mir völlig egal, auf eine Minute mehr oder weniger kommt es mir dabei nicht an. Es ist mir auch egal, dass ich bei den meisten Uhren das Uhrwerk nicht sehen kann (Gut, es gibt Ausnahmen mit Glasboden), alleine das Wissen um die komplizierte Mechanik im Inneren lässt nicht vor Freude jubeln.

Und noch eine Eigenheit habe ich mir angeeignet. Nicht die modernen mechanischen Armbanduhren, welche in den Schaufenstern der Juweliere liegen und blinken und glitzern, haben es mir angetan. Nein, die alten gebrauchten Stücke vom Flohmarkt oder vom Uhrmacher sind es, die Objekt meiner Begierde sind. Je älter desto besser, auch wenn man den Uhren ihr Alte rund ihren jahrelangen Dienst bereits ansieht. Ein paar Kratzer im Gehäuse oder auf dem Glas (welches meist auch noch aus Plexiglas ist) halten mich nicht davon ab, diese Stücke zu erwerben und zu tragen. Je älter die Stücke sind, desto interessanter finde ich die Uhren. Und teilweise kaufe ich mit einer alten Uhr eine Stück Geschichte mit. Vor allem, wenn sie lange Zeit im Besitz des Verkäufers war und dieser Zeit hat die Geschichte der Uhr zu erzählen.

So pflege ich diese alten Stücke, poliere Sie und trage sie wechselweise mit den anderen kleinen Schätzen. Ich lasse ihnen regelmäßig das Service beim Uhrmacher zukommen, dass sie sich alleine aufgrund ihres Alters verdient haben, lasse ihr Werk reinigen und neu ölen, in dem Wissen, oder zumindest in dem Glauben, dass diese Uhren noch lange die Zeit anzeigen, selbst wenn sie nicht mehr in meinem Besitz sind. Dabei habe ich nicht vor eine davon abzugeben und gegen schnöden Mammon zu verkaufen und hoffe, dass sich in der nächsten Generation wieder jemand findet, der die filigrane Mechanik dieser Uhren zu schätzen weiß und ihnen den nötigen Respekt erweisen wird.

Autor: Ing. Wolfgang Bartl Betreiber von http://okis.info der Webseite über alte Uhren.

Bildquelle: © sprisi / pixelio.de

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