Senioren nur noch Patienten 2. Klasse?

© Daniel Rennen  / pixelio.deDie Meldung die in den letzten Tagen durch die Zeitungen kam, ist für alle Senioren erschreckend. Angeblich habe der Gesundheitsminister im Zuge von Sparmaßnahmen die seiner Ansicht nach zu häufig durchgeführten Operationen am Knie und an der Hüfte einzudämmen. Eine riesige Protestwelle schlug ihm entgegen. Ob es sich dabei um parteipolitische Rangeleien oder um ernstzunehmende Aussagen handelt, sei erst einmal dahingestellt.

Allein der Ansatz einer solchen Idee ist erschreckend. Wer bitteschön, möchte denn darüber entscheiden, ab wann ein Patient der mit Schmerzen in die ärztliche Praxis kommt, einer neuen Hüfte oder eines neuen Kniegelenks bedarf. In erster Linie sind hier die Ärzte gefordert, zum Wohle des Patienten zu entscheiden. Und zwar ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht und letztlich auch Geld. Dass auch im Gesundheitswesen gespart werden muss, sollte dabei nicht ausschlaggebend sein.

Andererseits haben die Krankenkassen im letzten Jahr Überschuss erwirtschaftet oder Kosten eingespart. Schon angesichts dieser Tatsache ist die Diskussion wer ab welchem Alter und überhaupt operiert wird eine Unverschämtheit.

Es wird nur noch gespart – meist an den Geringverdienern oder Senioren

Angeblich liegen dem Gesundheitsminister Studien von Experten vor, aus denen hervorgeht, dass in Deutschland in einem Jahr 400.000 Patienten ein neues Hüft- oder Kniegelenk bekamen. Nach Meinung dieser Experten werde hier zu oft operiert. Von den 61 Milliarden Euro, die für die Kliniken ausgegeben wurden, sei etwa die Hälfte diese Etats  für Hüft- und Kniegelenksoperationen und für Eingriffe an der Wirbelsäule und am Herz ausgegeben worden. Trotzdem sind die Sparmaßnahmen, die es im Gesundheitswesen geben soll, an dieser Stelle nicht angebracht.

Bei vielen älteren Menschen kann eine Operation an Knie oder Hüfte durchaus als eine kostensparende Investition betrachtet werden, denn ohne eine OP würden viel mehr ältere Menschen pflegerische Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Diese OPs ermöglichen es den Patienten, noch eine lange Zeit ihre Selbständigkeit zu erhalten. Und es kann auch kein Argument sein, dass etwa 80 Prozent der an Knie oder Hüfte  Operierten älter als 60 Jahre sind. Gerade und erst recht kann in diesem Alter die Mobilität durch und mit einer solchen OP noch lange erhalten werden. Und genau das sollte Ziel der Behandlung sein.

Manchmal, und das ist bedenklich wird wohl auch über dieses Ziel hinaus die Entscheidung für eine solche OP getroffen. Es sind hingegen Fälle bekannt geworden, wo Operationen bei fast 100 jährigen, bettlägerigen und pflegebedürftigen Menschen gemacht wurden. Ein weiteres Beispiel ist ein todkranker Mann, der laut Arzt nur noch 3 Monate zu leben hatte – er bekam eine neue Hüfte und starb nach zwei Monaten. Es steht auch uns nicht zu darüber zu urteilen, aber die Frage, ob das noch zum Wohle des Patienten gereicht muss in diesem Zusammenhang erlaubt sein.

Davon ausgehend, dass es sich bei dieser Diskussion wohl auch um politisches Kräftemessen handelt, lässt die Senioren hoffen, dass auch in Zukunft notwendige Behandlungen von der Krankenkasse bezahlt werden. Alles andere wäre moralisch und ethisch sehr bedenklich!

Bildquelle: © Daniel Rennen  / pixelio.de

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