Vorsicht vor Arzneimittel Vergiftungen

©Rainer Sturm@pixelio.de

Immer wieder kommt es bei Senioren zu Arzneimittel-Vergiftungen und die Zahl steigt stetig. Mehr als 1.000 Senioren über 65 mussten 2010 in Kliniken im Südwesten aufgenommen und behandelt werden. Dabei sind rund zwei Drittel der Patienten Frauen, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes ergab. Die TK (Techniker Krankenkasse) ist der Meinung, dass die tägliche Einnahme von mehreren Medikamenten, die Senioren einfach überfordert. Vor allem handelt es sich dabei um Herz-Kreislauf-Medikamente, Magen-Darmsubstanzen, Beruhigungsmittel und Antidepressiva. Ältere Menschen nehmen diese entweder in überhöhter Dosis ein oder aber die Medikamente, in Verbindung mit Schmerzmittel, bilden einen gefährlichen Medikamenten-Cocktail. Weniger nehmen die Senioren die Medikamente bewusst in einer höheren Dosis ein, sie vergessen schlicht und einfach, dass sie diese Medikamente bereits genommen haben. Daher sind vor allem auch die Hausärzte gefordert, die ein Auge darauf haben sollten, was ihre Patienten alles an Medikamenten benötigen und wie die Wechselwirkungen sind, so Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung in Baden-Württemberg.

Vom Arzt leider allein gelassen

Eine Datenerhebung der Techniker Krankenkasse zeigt, dass im Jahr 2011 etwa 27 Prozent der Senioren in Baden-Württemberg mindestens ein Arzneimittel von ihrem Arzt bekamen, welches vor allem bei der älteren Generation erhebliche Nebenwirkungen oder sogar Wechselwirkungen mit zusätzlichen Arzneimitteln verursachen könnte. Laut Vogt hat die Techniker Krankenkasse in ganz Deutschland die Arzneimittelverordnung von Menschen ab 65 ausgewertet. Grundlage dieser Auswertung war die Priscus-Liste. Diese Liste enthält 83 Arzneimittelwirkstoffe, die nicht uneingeschränkt, für die ältere Generation zu empfehlen seien. Senioren können auf die aufgeführten Wirkstoffe empfindlicher reagieren als jüngere Menschen und litten somit öfter an unerwünschten Begleiterscheinungen.

Nun bietet die Techniker Krankenkasse für Ärzte in Baden-Württemberg einen neuen Service an. Niedergelassene Mediziner können sich, laut Vogt, fortan im Arzneimittelreport informieren, welche Medikamente sie im letzten Quartal für einen Versicherten der TK verordnet haben. Des weiteren erhalten die Ärzte einen Hinweis, wenn sie einem Patienten über 65 ein Medikament aus der Priscus-Liste verschrieben haben. Eine gute Idee, wenn der Mediziner auch wirklich nach dem Wohl des Patienten handelt. Denn wie bekannt wurde, sollen einige Krebsärzte Geld von der Pharmafirmen erhalten haben, nur damit sie ein bestimmtes Krebsmedikament verschreiben.

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