Ein Erlebnis der besonderen Art – Zirkus Hans-Peter A.

Kaum hing das erste Zirkus-Schild in unserer Stadt, war unser Sohnemann schon Feuer und Flamme und wir mussten ihm versprechen mit ihm zum Zirkus zu gehen. Täglich fragte er, wann es denn endlich soweit ist und in der Zwischenzeit wurden Freunde und Bekannte angerufen, wer denn alles mitkommen möchte. So waren wir fünf Familien, die mit ihren Sprösslingen zum Zirkus wollten.
Endlich war es soweit und der große Zirkustag war gekommen. Treffpunkt war um 15:15 Uhr am Zirkus-Zelt der Familie Hans-Peter A. Kaum angekommen wurden wir bereits mit den Preisen überrascht. Wir durften unsere Preise würfeln, was hieß dass jede Person, die den Zirkus besuchen wollte, mit zwei Würfeln den Preis auswürfeln konnte. Wer zweimal die eins hatte, konnte sich glücklich schätzen im Gegensatz zu denen, die zwei Sechsen hatten. Aber naja, laut den regulären Eintrittspreisen hatten wir noch relativ viel Glück. Wir zahlten mit zwei Erwachsenen und einem Kind 26 Euro, eine Freundin mit zwei Kindern zahlte 29 Euro. Regulär wären es pro Person zwischen 12 und 15 Euro gewesen. Also freuten wir uns, dass wir dabei noch etwas sparen konnten.

Die Kinder waren total aufgeregt und wollten natürlich sofort in das Zelt und auf ihre Plätze. Da es durch das Würfeln keinen Abgrenzungen, wie Loge und Sperrsitz gab, konnten wir uns die Plätze aussuchen. Aber kaum im Zelt angekommen, dass uns von außen schon recht klein vorkam waren wir dann doch etwas schockiert. Es waren ganze drei Reihen Holzbänke, die um die Manege gebaut waren. An sich nicht wirklich ein Problem, wenn die Manege etwas größer gewesen wäre, aber sie hatte etwa einen Durchmesser von wenigen Metern. Ok alles nicht wirklich schlimm – wenn die Vorstellung gut ist, kann die Manege auch klein sein. Lassen wir uns doch einfach überraschen wie es ist, zumal der „Zirkusdirektor“, der auch an der Kasse saß sehr nett und recht amüsant und witzig war.

Kaum hatten wir alle die Plätze eingenommen, meinte meine Freundin, dass das Zelt wohl bei Ebay ersteigert wurde so heruntergekommen wie es war. Naja Witze hin und her, wir warteten und fingen langsam an zu frieren, da es doch recht kühl in dem sehr kleinen Zelt war. Aber draußen war auf einem Schild ja groß angepriesen, dass gut geheizt wird und die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt. Nachdem die wenigen Zuschauer anfingen zu klatschen, da der Start der Vorführung auf sich warten ließ, wurde dann zumindest das Zelt geschlossen. Es schien dann nach etwa 15 minütiger Verspätung los zu gehen. Aber weit gefehlt, es war wohl jemand hinter dem Vorhang, aber heraus kam dieser nicht. Also nochmal klatschen und nochmal und tatsächlich, die Vorführung begann dann endlich und die Kinder wurden ruhiger. Auch wurde ein Gasheizgerät aufgebaut und die Temperaturen wurden angenehmer.

Als erstes kam der Zirkusdirektor persönlich und hatte eine Kiste mit Tür, die leer aussah. Er schloß die Tür und holte Kinder aus dem Publikum, mit denen er meiner Meinung nach sehr grob war. Er zog sie regelrecht von den Bänken und sagte sie sollen sich verbeugen, was er aber dann mehr oder weniger machte. Er drückte das 4-jährige Kind so nach unten, dass man wirklich den Eindruck hatte, dass dies dem Kind weh tat. Danach durfte der Kleine „zaubern“ und als er die Tür öffnete kamen Kaninchen zum Vorschein. Nun durfte der Junge wieder auf seinen Platz und er bekam einen Schubser, dass er beinahe hingefallen wäre. Auch machte der Zirkusdirektor einen ziemlich genervten Eindruck. Die Vorstellung wurde immer sonderbarer. Tiere waren nicht zu sehen, dafür aber jede Menge Sketche die mal mehr und mal weniger zum Lachen waren. Lady Jane, so nannte sich eine sehr stabile Dame, die leider etwas heftig nach Schweiß roch, jonglierte mit 3 Bällen und ließ diese auch noch fallen. Dann folgten noch weiter Kunststücke die ich von Straßenfesten her kenne. Diese Straßenkünstler können das aber weitaus besser als Lady Jane. Auch die Kunststücke, die Lady Jane mit einem Diabolo versuchte gelangen ihr nicht wirklich.

Das Gasheizgerät lief unermüdlich und langsam aber sicher konnte man tatsächlich meinen wir hätten Hochsommer, dabei war es Winter. Einige Leute versuchten sich vor dieser Hitze in Sicherheit zu bringen, was aber kaum gelang. Andere hingegen saßen im T-Shirt und schwitzten. Mehrere Male fragten wir ob das Heizgerät ausgestellt werden könnte, aber auf unsere Fragen und Bitten reagierte keiner, es wurde einfach überhört und nicht reagiert. Das Schlimmste überhaupt kommt aber noch, denn wenn es in diesem Zelt einmal brennen sollte, was bei Gasheizgeräten ja nicht gerade selten vorkommt, ist die Todesfalle perfekt. Der Eingang war nämlich total verschlossen und hier wäre im Notfall keiner heraus gekommen. Festgestellt haben wir dies, als mein Sohn auf Toilette musste, die es gar nicht gab.
Mein Mann also mit meinem Sohn Richtung Ausgang – verschlossen – keine Möglichkeit das Zelt auf die Schnelle zu öffnen. Er also mit dem Kleinen im Schlepptau hinter den Vorhang der Manege in der Hoffnung da wäre ein Ausgang. Das hätte er besser nicht getan. Der Zirkusdirektor war so frech und pampig, dass mein Mann, der ein ganz ruhiger Mensch ist, recht sauer wurde. Er könne ja wohl so aus dem Zelt heraus kommen ohne es zu Öffnen, sagte der Zirkusdirektor. Ja sicher war dies möglich, aber nur wenn man sich flach auf den Rasen legt und unter der Plane durchrutscht. Man muss dazu sagen, dass der Rasen auf dem das Zelt stand nass war und durch den Regen die Tage davor nicht gerade einladend. Mein Mann also kurzerhand zum Ausgang und mit Mühe und Not das Zelt irgendwie aufgemacht. Das hat etwa fünf Minuten gedauert, viel zu lange um im Notfall die Zuschauer aus dem Zelt zu bekommen. Nachdem mein Mann mit unserem Sohn endlich draußen waren, kam Lady Jane auf meinen Mann zu und maulte ihn an, dass er sich nicht einbilden müsste dass Sie die Heizung jetzt weiter läuft. Diese würde jetzt aus geschaltet und wir müssten dann eben alle frieren. Gesagt getan, das Heizgerät wurde ausgeschaltet und die ersten Zirkusgäste sind gegangen, nachdem die Vorstellung etwa eine halbe Stunde lief – aber wegen der unsagbaren Hitze, der katastrophalen Vorstellung und der Frecheit.

Aber weiter zu den zwei Künstlern, Lady Jane und der Zirkusdirektor. Eine recht eindrucksvolle Vorstellung gab der Zirkusdirektor als er als Feuerschlucker und Feuerspeiher auftrat. Für einen kleinen Zirkus war diese Vorstellung, die er ablieferte ganz ok und auch passabel. Das war allerdings nach etwa 50 Minuten das einzige was gut war. Dann kamen endlich die Tiere – 1 Pony und 1 Esel. Sie liefen etwa fünf Runden durch die Manege, sprangen beide durch einen Reifen und der Esel stieg mit den Vorderbeinen auf einen kleinen Hocker, bekam ein Leckerli und das war es dann auch schon. Nachdem diese Tiershow beendet war, wurde die Pause eingeläutet. Einige der Gäste waren sehr verärgert und traten den Heimweg an. Andere wie wir blieben wegen der Kinder. Unsere fünf Familien hatten sich auf drei minimiert und Thema Nummer eins war diese katastrophale Vorführung und die Unfreundlichkeit beider Künstler.
Nach etwa fünfzehn Minuten ging die Vorstellung oder wie auch immer man dies nennen mag weiter. Es wurde wieder eine leere Kiste in die Manege gefahren und plötzlich kam ein Hund aus der Kiste, nachdem die Decke abgenommen wurde. Danach kamen noch zwei Lamas, die drei Runden im Kreis liefen und durch einen Reifen sprangen. Anschließend kamen noch drei hinzu und er Zirkusdirektor erzählte etwa zehn Minuten woher Lamas kommen was sie tun und machen. Dies interessierte die Kleinen aber recht wenig, sie wurden immer unruhiger und fragten ständig wann die Vorstellung denn endlich zu Ende sei. Denn mittlerweile fanden es selbst die Kleinen nicht mehr lustig. Zum Schluss kam noch ein Sketch in dem der Zirkusdirektor mit einem Flachmann (gefüllt mit Wasser??????) vor den Kindern wedelte und einen auf Betrunken machte. Lady Janes zweijähriger Sohn lief in der zweiten Hälfte der Vorstellung in der Manege herum und der Zirkusdirektor fragte ständig was die „Sch….“ denn soll und der Kleine sollte sich gefälligst einmal hinsetzen. Dann endlich war die Vorstellung vorbei. Durchgefroren und völlig entnervt verließen die meisten Zuschauer das Zelt und nahmen am Ponyreiten nicht mehr teil. Das Beste war dann aber die Hüpfburg und das kleine Kettenkarussell, auf dem die Kinder kostenlos fahren konnten.
Dieser Tag wird uns mit Sicherheit ewig in Erinnerung bleiben und wir werden wahrscheinlich noch in 30 Jahren über dieses sonderbare Ereignis reden. Da ich selbst schon in sehr sehr vielen Althoff Vorstellungen war hatte ich mir vielleicht auch etwas zu viel versprochen, aber auch alle anderen Zuschauer waren sehr enttäuscht und teilweise richtig sauer. So etwas hab ich noch nie erlebt und vor allem eine solche Unfreundlichkeit gegenüber den Zuschauern ist eine Frechheit. Denn zum Schluss meinte Lady Jane zu meinem Mann dass es ja wohl unmöglich sei, mitten in der Vorstellung zu stören und mit dem Kind zur Toilette, die ja nicht vorhanden war, gehen zu wollen.

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